Bressau

Familie Bressau war eine angesehene Familie in Domnau. Fritz Bressau war Viehhändler und ist viel in Ostpreußen von Landwirt zu Landwirt gereist. Herta Bressau war Hutmacherin. Im Januar 1945 ist die Familie Bressau über die Ostsee nach Norddeutschland geflüchtet. Ich als Urenkel von Fritz und Herta Bressau habe diese Internetseiten erstellt um an die Wurzeln, die in Domnau begraben sind, zu erinnern.

Hier ein paar Erinnerung von Ruth Mutsaers, geb. Bressau, der Tochter von Herta und Fritz:

Meine Mutter wuchs mit ihrer Schwester Hilde auf, die 3 Jahre jünger war als sie. Nach der Schule machte meine Mutter eine Lehre als Hutmacherin bei ihrem Onkel Plew, der einen Hutsalon in Domnau hatte. Fast alle Frauen trugen früher Hüte. Die Lehre mußte sie schon nach 2 Jahren beenden, da sie zu Hause gebraucht wurde. Meine Mutter war ein sehr aktives junges Mädchen. Sie war im Turnverein, im Gesangverein und auch in einem Nähkränzchen. An Mutters 15. Geburtstag lud sie ihre Freundinnen Grete Bressau und Klara Kawalt ein. Allerdings mit einem kleinen Hintergedanken. Am Abend erschienen dann die Brüder der Freundinnen. Es wurde gesungen, getanzt und gescherzt. Sie hatte schon immer ein Auge auf Fritz Bressau geworfen. Die beiden kannten sich schon seit ihrer Kindheit. Nach der Konfirmation kam es dann auch zu heimlichen Treffen zwischen „Herta“ und „Fritz“. Um zu diesen Treffen zu gelangen, nahm sie meistens den längeren Weg um den Block, damit die Nachbarn bloss nicht auf den Gedanken kamen, sie würde zu Bressaus gehen. Auf den Tanzbällen war sie es sogar, die den „Fritz“ beobachtete und genau wissen wollte, mit welchen Mädchen er tanzte. Ihre Eltern hielten überhaupt nichts von dem „Fritz“. Oma Antonie hatte sogar schon einen der 5 Söhne von Frau Helmik als zukünftigen Schwiegersohn ausgesucht. Die Eltern meiner Mutter mochten den „Fritz“ nicht besonders leiden, da er in Kneipen Geld ausgab, gern mal ein Glas „Milch“ trinken ging und ab und zu in eine Prügelei mit den Schweizern verwickelt war. Doch aller Reden zum Trotz fand nach 7 Jahren die Verlobung und am 27. November 1928, als meine Mutter 24 Jahre alt war, die Hochzeit statt. Mein Vater war der 2. Sohn von August Bressau und Maria Bressau. Sie hatten eine sehr gutgehende Fleischerei in Domnau und galten damals als wohlsituierte Bürger. Mein Vater hatte eine Lehre im elterlichen Betrieb und seine Meisterprüfung gemacht. Nach der Hochzeit kaufte er einen schönen kleinen Bauernhof etwas außerhalb der Stadt in der Nähe des Bahnhofs. Er machte sich selbständig als Viehhändler. Er kaufte Pferde, Kühe und Schweine und pachtete Weideland, wo er Kühe züchtete. Bald kaufte er Vieh in größeren Mengen von den großen Gütern der Umgebung und verkaufte es nach Königsberg, Mannheim, Darmstadt und Berlin. Er verschickte es lebend per Bahn und fuhr 3 bis 4 mal im Jahr zu den Kunden, um das Geld zu kassieren. Mutti schaffte sich Hühner, Gänse und Enten an und beackerte den großen Garten, sodass er viel Ertrag einbrachte, den sie verkaufte. Äpfel, Johannisbeeren, Birnen und Pflaumen. Sie arbeitete sehr hart. Bald hatten sie zwei Knechte und ein Dienstmädchen. Sie verdienten sehr gut und schufen sich bald ein Auto und Telefon an.  Aus diesem Grund galten Sie damals als recht fortschrittlich, was auch an der besonderen Telefonnummer zu erkennen war. Sie war einfach zu merken und lautete einfach nur 80. Im Laufe der Jahre wurden wir vier Mädchen, Ruth, Erika, Helga und Inge, geboren. Alle per Hausgeburt im Schlafzimmer. Meine Mutter war trotz ihrer vielen Arbeit im Haus, Hof, Garten und den Kindern sehr unter- nehmungslustig. Sie fuhr mit uns an die Ostsee in Ferien oder mit Vater nach Königsberg ins Theater. Als sie eines abends aus Königsberg mit dem Zug kamen, sahen sie, wie unser Haus brannte. Wir Kinder waren in dieser Nacht bei Oma und Opa. Danach bauten sie das Haus wieder auf, aber viel größer. Als der Krieg ausbrach, mußten wir das Auto abliefern und alles ging wieder per Pferdewagen und im Winter per Schlitten. Wir hatten jetzt auch 2 Kriegsgefangene Russen zum Arbeiten auf dem Hof und eine Polin als Hilfe. Erstaunlich, wo Mutti die Kraft für all die Arbeit hernahm. Sie war sehr gläubig und ging mit uns jeden Sonntag zur Kirche.